Tag 18 – Warum jeder Mensch eine Therapie machen sollte

Lieber Leser,

Dieser Beitrag ist ein bisschen ernster.

Ich mache seid nunmehr einem Jahr eine Psychotherapie, und es ist mit das Beste, was mir passieren konnte.

Ich habe zwar keine psychische Erkrankung, aber ich neige doch stark zur Überforderung, es fällt mir schwer, Entscheidungen zu treffen und ich lasse mich sehr schnell stressen. Genau in solchen Situationen ist es hilfreich, mit jemandem zu sprechen – jemandem, der gut zuhört. Jemandem, der nicht seine persönlichen Erfahrungen in den Vordergrund stellt. Jemandem, der so Fragen stellen kann, dass man selbst auf Erkenntnisse kommt. Hilfe zur Selbsthilfe, nennt man das.

Und ja, es gibt einen Unterschied, ob man mit einem Freund spricht oder ob man mit einem Therapeuten spricht.

Bestimmt sagen jetzt einige, dass es ihnen aber doch gut geht. Und natürlich ist es umso wichtiger, eine Therapie zu machen, wenn man unter psychischen Krankheiten (oder auch physischen) leidet. Das ist keine Frage. Aber auch du als vermeintlich gesunder Mensch hast doch bestimmt Themen, die dich beschäftigen. Dinge, die dich belasten, über die du gefühlt mit niemandem reden kannst. Egal, wie nah du deinem Partner, deiner Freundin, deinen Eltern stehst, bestimmt gibt es Dinge, die du mit ihnen nicht besprechen kannst. Sei es Unzufriedenheit im Beruf oder in der Partnerschaft, Zukunftsängste, Familienprobleme oder Unentschlossenheit in der jetzigen Situation.

Mit einem Therapeuten kann man über alles reden – wenn man sich traut. Dass dazu häufig Mut gehört, ist keine Frage. Doch anders als ein Freund oder eine Partnerin, wird ein Therapeut sicher nicht be- oder verurteilen.

Ich denke, wenn jedermann eine Therapie machen würde, hätten wir deutlich weniger Probleme auf dieser Welt.

Zumindest aber sollten wir Menschen, die eine Therapie machen, mehr Verständnis entgegenbringen. Häufig wird man dafür mindestens schräg angeguckt, wenn nicht sogar verurteilt, wenn man jemandem erzählt, dass man eine Therapie macht. Dass man dafür nicht schwerkrank oder zumindest offensichtlich krank sein muss, scheint in der Bevölkerung nicht bewusst zu sein. Häufig ist es bestimmt nicht böse gemeint, aber ich denke schon, dass man dafür häufig in eine Schublade gesteckt wird.

Insbesondere wenn es euch nicht gut gehen sollte, aber auch, wenn ihr einfach gerne mal über bestimmtes reden möchtet – sucht euch Hilfe. Daran ist nichts verwerfliches. Das ist verdammt mutig.

Macht es gut.

Eure Ella

4 Kommentare zu „Tag 18 – Warum jeder Mensch eine Therapie machen sollte

  1. Grundsätzlich mag ich Dir schon zustimmen, insbesondere Deinem letzten Absatz. Aber ganz so weit in der Einschätzung von Möglichkeit und Notwendigkeit von Therapien würde ich denn doch nicht gehen wollen.

    Dazu möchte ich Dir sagen, dass ich mehrere Therapien durchlaufen habe, Erfahrungen mit mehreren Therapeuten gemacht habe, ambulant und auch während eines vielwöchigen Klinikaufenthalts, sehr unterschiedliche Erfahrungen, positive aber auch nicht so gute.

    Das ist das eine. Das andere ist, dass ob bzw. wie einem Menschen durch Therapien geholfen werden kann, sie vielleicht gar zu seiner vorübergehenden oder dauerhaften Heilung beitragen können, von unglaublich vielen einzelnen, und nicht zuletzt häufig sehr individuellen, in der Persönlichkeit desjenigen, der Hilfe sucht (wie auch der des Therapeuten), liegenden Besonderheiten abhängt.

    Was ich sagen möchte: Deine Erfahrung mit Therapie mag, kann, wird für Dich richtig sein. Sie zu verallgemeinern, damit wäre ich vorsichtig.

    Uneingeschränkt zustimmen kann und möchte ich Dir darin, dass niemand, der eine Therapie macht, komisch anzusehen, zu belächeln oder gar zu verurteilen ist. Am wenigsten diejenigen, die tasächlich an psychischen Probleme leiden, die Krankheitswert haben.

    Vor allem psychische Erkrankungen werden heute nach wie vor und, wie ich wahrzunehmen glaube, auch in neuartiger Weise, stigmatisiert, tabuisiert und sehr wenig verstanden. Das das so ist, sich in der Tendenz oft eher verstetigt und verschlimmert, ist das eigentliche Problem. – Eins von so vielen, die unsere Gesellschaft immer mehr prägen, durchdringen und ausmachen. Leider …

    Liebe Grüße an Dich!

    (Du schreibst einen schönen, interessanten und sehr persönlichen Blog – ich empfinde ihn als sehr authentisch in seiner Art, weil Du halt sehr unmittelbar über das schreibst, was Dich bewegt, umtreibt, beschäftigt. – Ich wünsche Dir stets freundliche, sachliche, Dich bereichernde Leserinnen und Leser und den einen oder anderen interessanten Austausch mit ihnen!)

    Gefällt 2 Personen

    1. Erstmal möchte ich dir für deine freundlichen Worte danken, das bedeutet mir viel!
      Und es stimmt, was du sagst. Ob und wie eine Therapie einem hilft, hängt von ganz vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von dem Therapeuten und der eigenen Einstellung der Therapie gegenüber. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen gemacht und würde mir für jeden wünschen, dass das auch bei ihm so ist – trotzdem sollte man da nicht verallgemeinern, da hast du recht. Daran habe ich nicht gedacht, als ich den Beitrag geschrieben habe. Vielleicht sollte ich den Titel ändern in „Warum eine Therapie nicht nur für psychisch Kranke eine Möglichkeit ist“, das würde mehr dem entsprechen, was ich eigentlich gemeint habe.
      Ich danke dir für deinen Kommentar!

      Gefällt 1 Person

      1. Ach was, Du musst gar nichts ändern. Es ist Dein Blog, und Du hast frei aus Dir heraus geschrieben, aus Deinem Empfinden, dass Dir Deine Therapiekonsultationen eine wichtige Unterstützung sind, und sei es als Orientierung oder als Anregung zur weiteren Selbstreflexion.
        Ich wollte auch gar nicht etwa „oberlehrerhaft“ daherkommen, sondern einfach auch meine Gedanken teilen, die durch Deinen Eintrag inspiriert worden sind. Dass sie die Deinen ein bisschen relativieren … – kann jeder der will ja nun nachlesen, auch ohne dass Du da etwas ändern musst.
        Im Übrigen hast Du in Deinen Zeilen eine sehr schöne Grundhaltung zum Thema Therapie bzw. vor allem jenen Menschen, die sich einer solchen stellen, zum Ausdruck gebracht.
        Schreib‘ nur weiter, wie es aus Dir spricht, man kann sich doch danach bei Bedarf auch darüber unterhalten, mit Dir , wie gerade bemerken darf, durchaus sachlich und in angenehmer Weise.
        Also, nur Mut, vielleicht magst Du dann sogar mehr als nur für ein Jahr ein Schreiberlein sein … 😉
        Nochmals freundliche und liebe Grüße und hoffentlich ein bisschen Erholung am Wochenende!

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      2. Mach dir keine Sorgen, du kamst gar nicht „oberlehrerhaft“ rüber. Ich fand deinen Kommentar sehr aufschlussreich, persönlich und vor allem respektvoll! Ich habe in meinem Beitrag von heute auf unsere Konservation hingewiesen, ich hoffe, das macht dir nichts aus. Ob ich länger als ein Jahr schreiben werde – mal gucken, es ist ja gerade erst Tag 19😉 dir wünsche ich auch ein erholsames Wochenende!

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