Tag 48 – Ostara

Lieber Leser,

Gestern war ein besonderer Tag für mich. Ich weiß nicht, ob ich mich als religiös bezeichnen würde – ich bin in einer semi-christlichen Familie aufgewachsen,wurde getauft und konfirmiert, singe seit ich fünf Jahre alt bin im Kirchenchor und war bis letztes Jahr in der Gemeinde als Teamerin (Begleiterin des Konfirmandenunterichts) tätig. Ich leite auch den Jugendkeller der Gemeinde. Ich gehe gerne in den Gottesdienst, insbesondere an Weihnachten und Ostern ist es förmlich nicht wegzudenken, aber auch an normalen Sonntagen gehe ich, zwar nicht häufig, aber doch immer mal wieder in den Gottesdienst.

Einen Glauben an den einen Gott und die Lehren der Bibel hatte ich allerdings nie. Es gibt einige christliche Werte, wie zum Beispiel die Nächstenliebe, die ich selbst vertrete. Dennoch gibt es auch große Teile des christlichen Glaubens, mit denen ich mich nicht wohl fühle. Das ist allerdings ein Thema für einen anderen Beitrag. Warum gehe ich dann so gerne in die Kirche? Ich denke, das ist vor allem Gewohnheit, und außerdem die Gemeinschaft, die ich gerne mag.

So richtig religiös bin ich also nicht. Allerdings würde ich mich als spirituell bezeichnen. Diese Entdeckung beziehungsweise Entwicklung habe ich in den letzten zwei Jahren durch das Internet gemacht, weil ich dort auf virtuelle Ausrichtungen traf, die ich vorher nicht kannte, die mir aber sehr zusagen. So würde ich mich also als neopaganistisch oder neuheidnisch bezeichnen.

Was soll das bedeuten oder was bedeutet es für mich?

Für mich bedeutet das Neuheidentum, im Einklang mit der Natur und mit sich selbst zu sein. Es kann bedeuten, dass man polytheistischen Ausrichtungen angehört, also mehrere Götter (im Fall von beispielsweise Wicca Göttet aus unterschiedlichen Religionen bzw. Mythologien) anbetet. Ich persönlich weiß noch nicht, ob das für mich das beste ist, aber dafür habe ich mich noch nicht genug mit einzelnen Göttrrn beschäftigt.

Für mich bedeutet es, achtsam laut mir selbst, meinen Mitmenschen und der Natur umzugehen. Ich bin nur ein kleiner Teil des Ganzen. Und: ich kann viel erreichen, wenn ich mit der richtigen Energie darangehe.

Für mich gehören auch Rituale und Feiertage dazu. Jetzt gerade schreibe ich im Licht von fünf großen, weißen Kerzen (lustigerweise ehemalige Altarkerzen aus meiner Kirche), die für alle Betroffenen und alle Helfer in dieser schwierigen Zeit leuchten. Genau so wie in den Haushalten vieler anderer Neuheiden auf der ganzen Welt: dieses Ritual wurde über das Internet organisiert.

Es gehören für mich auch Feiertage dazu. Im Neopaganismus gibt es acht große Feste, die gefeiert werden: die Jahreskreisfeste. Das Jahr wird als Rad mit acht Speichen dargestellt, jede Speiche ist ein Fest. Darin enthalten sind die Sonnenwenden, die Tagundnachtgleichen so wie vier weitere Feste die jeweils zwischen den anderen liegen. Und ein solches Fest war also gestern.

Ostara

Das war jetzt eine ganz schön lange Herleitung für das eigentliche Thema. Gestern, am 20.03., war die Frühlingstagundnachtgleiche, die im Paganismus als Ostara bezeichnet wird. Sie markiert den astronomischen Frühlingsbeginn und ist nach der Göttin Eostrae benannt. Und ja, der Name erinnert einen sofort an Ostern – aus gutem Grund. Auch das ist allerdings ein Thema für einen anderen Beitrag.

Bei Ostara wird also der Frühlingsbeginn gefeiert. Man kann den Tag feiern, in dem man zum Beispiel Pflanzen anpflanzt und Samen aussät, in der Natur spazieren geht, einen Neubeginn wagt, einen Frühjahrsputz beginnt oder sich Ziele für die kommende Zeit setzt. Symbole für den Feiertag sind zum Beispiel Hasen und Eier (merkt ihr was?), oder auch Blumen wie Tulpen oder Gänseblümchen. Es ist die Zeit der Fruchtbarkeit (nicht zwingend im Sinne der Fortpflanzung), und eben deshalb ist es eine gute Zeit, um neue Projekte zu starten oder bereits bestehende voranzutreiben.

Ich habe den Tag gestern mit einer geführten Meditation speziell zum Thema Ostara begonnen und habe viel Zeit im Garten bei meinen Pflanzen verbracht. Dabei ist auch dieses wie ich finde wunderschöne Foto von meiner kleinen Erdbeerpflanze entstanden:

Außerdem bin ich meine ganze Kleidung durchgegangen und habe alles aussortiert, was nicht mehr passt, nicht mehr getragen wird oder mich einfach nicht mehr glücklich macht. Ich habe zwei ½ Wäschekörbe aussortiert und fühle mich jetzt deutlich wohler mit der Menge an Kleidung, die nunmehr in meinem Schrank ist. Auch das ist, wie ich finde, ein Neubeginn: ich starte jetzt in ein Leben, in dem ich materielle Dinge nur besitzen möchte, wenn sie mich glücklich machen. Als nächstes werde ich meine Bücher durchsickern und bis sahin

1 Kommentar zu „Tag 48 – Ostara

  1. Das liest sich sehr interessant. Das Thema des Glaubens, der Frage, was ich mir unter Gott vorstelle, wie ich zu durch die Religionen vermittelten Werte stehe und vieles in ähnlicher Richtung beschäftigt mich immer wieder. Ich habe nie aufgehört, über solche Dinge nachzudenken und mutmaßlich werde ich damit nie fertig werden.
    Wenn Du mal etwas mehr Zeit hast und die investieren magst, meine entsprechenden Gedanken und Überlegungen kennenzulernen, dann lies gern einmal die sich hinter folgendem Link verbergenden Texte und Essays von mir. Sie sind nicht irgendiwe vollständig und zeichnen auch kein geschlossenes Bild. Und sind vielleicht auch zu lang(weilig) … – Aber ich will sie Dir dennoch zeigen, und Du schaust einfach, was Du damit machst.
    Also hier ist der Link:
    https://gedankenorbit.wordpress.com/?s=Gott+Kirche
    Herzliche und liebe Grüße an Dich!

    Gefällt mir

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