Tag 105 – Spontanität

Lieber Leser,

Wer mich gut kennt, der weiß, dass Spontanität keine Charaktereigenschaft ist, die man mir zuschreiben kann.

Ich habe gerne einen Plan. Ich möchte vorher schon wissen, wie etwas abläuft, damit ich mich mental und physisch darauf vorbereiten kann. Wenn es eine spontane Planänderung gibt, dann überfordert mich das häufig sehr, auch wenn es eigentlich keine negativen Konsequenzen für mich hat.

Natürlich bin ich nicht immer komplett auf meine Vorstellungen versteift, und es kommt durchaus vor, dass ich Spontanität zulasse und auch genieße. Das kommt aber meistens nur vor, wenn es mir sowohl psychisch als auch physisch gut geht. Wenn ich dann eine spontane Entscheidung treffe und auch voll dahinter stehe, dann habe ich immer das Gefühl, etwas ganz besonderes, aber auch absurdes zu tun, und ehrlich gesagt ist das ein ziemlich erhebende Gefühl. Ich weiß nicht woran das liegt.

Warum erzähle ich das?

Nun, Anfang diesen Jahres haben meine Schwester und ich eine Reise in die Schweiz geplant, um unser gemeinsames kleines Patenkind zu besuchen. Sas letzte Mal haben wir sie im Herbst bei ihrer Taufe gesehen, und da sich kleine Kinder doch so schnell verändern, war es uns wichtig, sie so bald wie möglich wieder zu besuchen. Wir haben uns also mit der Familie besprochen, uns auf Himmelfahrt geeinigt und die Zugtickets gebucht.

Dann nahmen die Auswirkungen von Corona in Europa zu und die ersten Reisebeschränkungen trudelten ein. Das führte dazu, dass wir alle überzeugt waren, dass wir nicht fahren können, weil wir nicht aus- bzw. wieder einreisen durften. Wirklich schade, dachten wir, aber so ist es eben jetzt und wir werden sie bestimmt zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr besuchen können. Wir hatten aber beschlossen damit zu warten, die Zugtickets in Gutscheine umzuwandeln, bis eindeutig klar war, dass nichts daraus wird.

Doch momentan ändert sich ja relativ viel, und gerade als wir uns heute um die Tickets kümmern wollten, bekommen wir eine Nachricht von der Familie – wie es denn jetzt aussähe, denn Familienbesuche seien ja seit gestern wieder erlaubt, aber das wäre jetzt wohl zu kurzfristig – oder?

Oder?

Am Ende blieb die Entscheidung an mir hängen, denn ich schreibe sowohl am Tag unserer Abfahrt eine Klausur als auch am Tag nach unserer Rückkehr und generell werde ich schnell gestresst und überfordert – insbesondere von Spontanität.

Ich habe kurz nachgedacht. Und dann habe ich beschlossen, dass ich fahren möchte. Ich möchte mein Patenkind und die Familie sehen. Ich möchte mit meiner Schwester zusammen verreisen. Ich möchte zwei ganze Tage im Zug verbringen (und das meine ich ernst). Ich möchte wegfahren, denn ich bin momentan so gestresst, dass eine Luftveränderung nur gut tun kann.

Für die Klausur am Montag in einer Woche kann ich auch in Zug lernen, genug Zeit werde ich haben.

Und so werde ich also am Mittwoch nach meiner (hoffentlich grandiosen) Politik-Klausur mit meiner Schwester in den Zug steigen und in die Schweiz fahren. In drei Tagen um diese Uhrzeit kommen wir an.

Verrückte Welt.

Macht es gut,

Eure Ella

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