Tag 135 – Traurig sein

Lieber Leser,

Worüber kann ich heute schreiben? Es ist eigentlich nichts Spannendes passiert. Ich war in der Schule, habe zu Hause weiter Videos bearbeitet (diesmal mit weniger Stress) und habe mit Freunden geskyped. Abends habe ich noch mit meiner Schwester eine Serie geguckt.

Eigentlich ist der Titel nicht ganz passend. Ich bin eigentlich nicht traurig.

Aber als ich die Serie mit meiner Schwester geguckt habe, nur zwei Folgen und das für mich auch noch kontextlos, da habe ich so viel geweint wie lange nicht mehr.

Zugegebenermaßen, es waren auch zwei sehr traurige Folgen, in denen eine für alle Beteiligten sehr wichtige und liebe Person stirbt.

Aber so etwas habe ich selten erlebt. Ich weine zwar ansich relativ häufig, aber eigentlich nicht so oft bei Filmen oder geschweige denn Büchern. Es kommt vor, aber dann muss ich die Filme/Bücher und die Personen schon ziemlich mögen und die Darstellung muss passen.

Hier kannte ich die Serie eigentlich kaum. Aber was passiert ist war so… realistisch und unvorstellbar zu gleich. Natürlich überträgt man die Situation automatisch auf sein eigenes Leben. Wie würde ich mich fühlen, wenn XY sterben würde?

Das ist ein Gedanke, mit dem ich mich nicht groß aufhalte, weil ich schon die Meinung vertrete: ich kann nicht wissen, was heute oder morgen oder in zehn Jahren passiert. Mit darüber Gedanken oder Sorgen zu machen, tut mir nicht gut.

Aber dennoch war die Darstellungen und die Reaktion der betroffenen Personen so realistisch und teilweise so nah daran wie ich womöglich reagieren würde. Das hat mich mitgenommen.

Ich bin jetzt nicht nachhaltig traurig. Aber ich denke: manchmal tut es gut, einfach zu weinen. Und es tut manchmal auch gut zu sagen: „Ich bin traurig, und das ist okay.“

Das heißt nicht, dass ich Traurigsein Glücklichsein vorziehe. Aber ich denke, alles hat seine Zeit. Und es passieren manchmal Dinge, bei denen es nur verständlich und auch richtig ist, darüber traurig zu sein.

Für mich als Person die sehr lange sehr traurig war kann heute nicht das Ziel sein, nur noch ausnahmslos glücklich zu sein. Das würde auch bedeuten, dass ich nicht an schlimmen Dingen anteilnehmen könnte, dass ich eine Art Ignoranz oder Unnahbarkeit gegenüber schlimmen Dingen entwickeln müsste. Das möchte ich nicht. Ich möchte eine Person sein die Anteil nimmt. Die traurig ist wenn traurige Dinge passieren, denn manchmal ist es nur gut und recht, traurig zu sein.

Mein Ziel ist es nur, mir mein Traurigsein aufzuheben für Dinge, die es wirklich wert sind. Denn auf Dauer Traurigkeit ist eine sehr anstrengende Emotion.

Macht es gut,

Eure Ella

4 Kommentare zu „Tag 135 – Traurig sein

  1. Welche Serie hast du denn gesehen? Mir ging es gestern Abend auch so, als ich die letzten Folgen Tote Mädchen lügen nicht geschaut habe. Ich finde es wahnsinn, wie sehr man sich in so eine fiktive Situation einfühlen kann. Aber, wie du schon sagst, es ist total okay, auch mal traurig zu sein 🙂

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    1. Das kann ich mir vorstellen bei Tote Mädchen Lügen nicht. Wegen meiner eigenen Geschichte mit Depression etc. habe ich für mich entschieden, die Serie gar nicht erst zu gucken. Ich habe gestern This Is Us geguckt, kennst du die?

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      1. This Is Us kenne ich in Teilen. Ich habe vor und während meiner Depression tatsächlich die ersten drei Staffeln geguckt. Aber jetzt, hinterher aber total unter Stress stehend, hat mich die vierte Staffel viel mehr mitgenommen als die anderen.

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  2. Du bist ein sensibler und deshalb emotional sehr stark reagierender Mensch, liebe Ella. Manchmal kommt einem das wie ein Fluch vor, weil es schwer auszuhalten ist, aber andererseits ist es auch ein Segen, weil man halt auch schöne Dinge sehr intensiv erlebt.

    Ich finde es ganz bemerkenswert, wie Du Dich bemühst, eine für Dich gesunde Balance zwischen Freude und Traurigkeit hinzubekommen, und es ist sehr schön, dass Du schon in Deinen noch so jungen Jahren einen aufmerksamen Blick darauf hast.

    Niemand muss sich übrigens für Tränen schämen, auch nicht, wenn sie anlässlich eines Films oder einer Serie rollen. Ich traue es mich, Dir das zu sagen: Mir geht das mitunter ebenso …

    Liebe Grüße an Dich! 🌞🌻

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