Tag 260 – Twilight zum Zweiten und Chaos

Lieber Leser,

Erstmal möchte ich eine Triggerwarnung zum Thema sexuellem Missbrauch und toxischen Betiehungen aussprechen. Da es in meinem gestrigen Beitrag um das gleiche Thema geht, habe ich dort noch nachträglich eine hinzugefügt, damit ihr entscheiden könnt, ob ihr euch dem Thema aussetzen möchtet.

Heute Vormittag haben wir den Twilight-Marathon beendet. Es ist eindeutig, dass die Filme qualitativ auf jeden Fall mit jedem Film zunehmen, während (oder weil) sie gleichzeitig immer weniger unangenehm werden. Auch das Thema was ich gestern angesprochen habe (bitte lest euch den Beitrag durch!) spielt zu Teilen eine geringere Rolle. Das erleichtert mich ein wenig, denn ich finde es ehrlich gesagt häufig schockierend, wie sorglos und weder gut vor- noch nachbereitet mit Themen wie sexuellen Übergriffen umgegangen wird. Ich bin oft entgeistert, wenn einfach so ohne Ankündigung Dinge wie Missbrauch und Übergriffe thematisiert werden, weil das ja doch für viele Menschen unglaublich triggernd sein kann. Auch bei mir löst so etwas häufig sehr großes Unbehagen aus, obwohl ich selbst (außer Catcalling auf der Straße) nicht persönlich betroffen bin. Aber ich hätte doch gerne vorher die Möglichkeit, mich auf entsprechende Dinge vorzubereiten oder entscheiden zu können, mich dem nicht auszusetzen.

Was leider nicht abnimmt habe ich gestern auch schon thematisiert: die unglaubliche Bevormundung und das besitzergreifende Verhalten von sowohl Edward als auch Jacob. Wie häufig wird Bella unterschätzt? Wie häufig muss sie sich anhören, dass sie ihre Meinung ändern wird, ihre Enrscheidungen nicht akzeptiert werden? All das unter dem Deckmantel, es gut mit ihnen zu meinen und nur um ihre Sicherheit besorgt zu sein. Als Mädchen kenne ich das unglaublich frustrierende Gefühl, aufgrund meines Geschlechts nicht ernstgenommen oder unterschätzt zu werden, sowohl von Menschen, bei denen ich weiß, dass sie es eigentlich gut mit mir meinen, als auch von anderen. Und es nervt! Denn ich kann eine 35 km lange Fahrradtour machen und ich kann selber mein Beet von Unkraut befreien und ich kann schwere Bücherkisten oder Einlaufstaschen tragen, und wenn auch nicht mit Muskelkraft alleine, dann aber mit Willenskraft.

Als Freundin mache ich mir Sorgen um Bella. Die Bevormundung, die Heimlichtuerei, das Unterschätzen, die Schuldzuweisungen sind für mich allesamt red flags, also Warnzeichen dafür, dass der besagte Junge oder potentielle Freund einem nicht gut tun wird. Weil er kontrollierend ist und es am Ende immer schafft, dass man selbst sich schuldig fühlt – auch, wenn man nichts falsch gemacht hat. Und trotzdem scheint Bella zumindest in ihrer Beziehung mit Edward glücklich zu sein (auch, wenn sie selbst häufig genervt davon ist, dass sie seltenst für sich selbst entscheiden darf). Ich frage mich, woran das liegt. Ist sie von Edward so manipuliert worden, dass sie denkt, dass das die Normalität einer Beziehung ist? Ich weiß es nicht. Aber ich würde ihr und jedem anderen Menschen wünschen, dass sie jemanden finden, der sie Ernst nimmt und sie genug respektiert um ihnen ihre Freiheiten zu lassen.

Soviel dazu.

Auf dem Nachhauseweg ging es mir dann plötzlich sehr schlecht. Ich hatte zwischenzeitlich Sorgen, dass ich es nicht nach Hause schaffe weil ich solche Bauchschmerzen hatte. Aber ich habe es dann doch geschafft. Ich mache mir ein wenig Sorgen. Seit meinem Arzttermin letzte Woche weiß ich, dass ich Zysten am rechten Eierstock habe. Ungefähr seit dem Arzttermin habe ich auch häufig starke (oder zumindest neue) Schmerzen im rechten Unterbauch, und ich weiß nicht, ob das von den Zysten kommt, ob das psychosomatisch ist weil die Schmerzen erst aufgetaucht sind, als ich von den Zysten wusste, oder ob es vielleicht sogar etwas ganz anderes, wie zum Beispiel mein Blinddarm ist. Woher soll ich denn wissen, wann meine Schmerzen von meiner Krankheit kommen und wann es etwas ist, womit ich akut ins Krankenhaus gehen sollte? Gestern Nacht konnte ich wegen der Schmerzen lange nicht schlafen und habe mir darüber große Gedanken gemacht. Ich werde das auf jeden Fall bei meinem Arzttermin ansprechen.

Zu Hause habe ich die Masken fertig genäht und habe jetzt also 25 Stück. Ich werde noch weitermachen, denn ich habe ja noch Zeit und es macht auch Spaß.

Leider hat mich im Laufe des Abends eine Traurigkeit eingeholt, die ich so lange nicht mehr gespürt habe. Ich weiß nicht wohin mit mir. Nichts scheint gerade wünschenswert zu sein, ich wünschte, ich hätte die nächsten Tage einfach frei und nichts zu tun – aber das habe ich nicht. Morgen muss ich ins Gesundheitsamt für die Fortbildung zum hygienischen Zubereiten von Lebensmitteln, anschließend besuche ich die Familie meines Patenonkels und habe Abends Therapie. Donnerstag habe ich einen weiteren Arzttermin, muss den Jugendkeller (mit den anderen zusammen) putzen und aufräumen und meinem Bruder Chemie erklären, da er es jetzt für sein Studium braucht. Ich versuche, mir den Freitag freizuhalten, aber ich fürchte, dass es nicht klappen wird.

Ich war die ganzen Ferien stolz auf mich, dass ich so viel geschafft habe. Denn uch war wirklich viel unterwegs, habe mich (für meine Verhältnisse) viel mit Freunden getroffen und habe eigentlich jeden Tag das Haus verlassen. Wo ich die Kraft für all das hergenommen habe, weiß ich nicht. Denn jetzt ist sie anscheinend aufgebraucht und ich fühle mich vollkommen erledigt. Ich wünschte, ich könnte einfach einen Tag nur im Bett verbringen, lesen und zwischendurch vielleicht Yoga machen. Außerdem habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen – jetzt, wo meine Schwester ausgezogen ist, lebe ich ja alleine mit meiner Muttet und mit meinem Großvater. Und ich habe insbesondere das Gefühl, meine Mutter vernachlässigt zu haben und zu wenig Zeit mit ihr verbracht zu haben, insbesondere Abends. Ja, sie ist auch vielbeschäftigt und zum Beispiel heute Abend, wo ich zu Hause bin, gar nicht da. Aber trotzdem. Heute habe ich Schuldgefühle, und ich hoffe, dass ich es irgendwie noch unterbringen kann, mehr Zeit mit meiner Mutter zu verbringen.

Der Beitrag heute ist sehr lang und leider sehr deprimierend geworden. Das tut mir leid. Ich denke, ich werde jetzt duschen gehen, und danach vielleicht eine Doku über Feminismus gucken. Ich brauche gerade Frauenpower, denn meine eigene kann ich nicht finden.

Macht es gut,

Eure Ella

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